|
|
|
|
|
| |
El bandido y el Bandolero – Die Posse zur Gerichtsposse |
|
| |
El bandido y el Bandolero
Ein kriminelles Stück, Schwank in 5 Akten
| |
Personen und ihre Darsteller: |
| Konkursverweser Stefano |
|
| Avocado Casso, genannt Berni |
|
| Helene, genannt „Die Fromme” |
|
| Dr. Leimer, Rechtshüter |
|
| Leihhaus Völki & Pocher |
|
| Walter Binder, Journalist |
|
| |
|
| Eventuelle ähnlichkeiten sind – natürlich – Rainer Zufall! |
1. Akt
Stefano und Berni:
| Stefano: |
Du, Berni, mir geht dieser Baumann aus dem Hegau mächtig auf die Nerven! Seine Mitstreiter und deren Anwälte wollen mich persönlich in Haftung nehmen. Ich muß reagieren, sonst riskiere ich Kopf und Kragen!
Weißt du keinen klugen Rat? Was können wir tun? Habe euch sonst immer geholfen! Aber mein Hemd ist mir schließlich näher, als ... |
| Berni: (unterbricht ihn) |
Aber Stefano, mache dir keine Sorgen! Ich rufe Völki an, und dann überlegen wir gemeinsam, was wir machen können. Bisher haben wir doch immer alles sauber hingekriegt, oder? Dann schaffen wir auch das. |
| Rückruf, drei Tage später: |
| Berni: |
Hallo Stefano, hier Berni. – Ich habe eine Lösung mit Völki und Pocher ausbaldowert. Du machst folgendes:
Dem superschlauen Advokaten des Baumanns schreibst du schlicht und einfach, dass du die Schadenersatzansprüche gegen das Leihhaus verkaufst, weil du weder genügend Geld zum Führen eines Prozesses in der Insolvenzkasse hast, noch über alle Details Kenntnisse besitzt.
Mach’ es richtig spannend! Arbeite auf Zeit, damit niemand Verdacht schöpft! Lass dir einen Vertragsentwurf ausarbeiten, den du dem Insolvenzgericht zukommen lässt, damit die „Fromme” die Gläubiger zur Abstimmung einladen kann! |
| Stefano: |
Aber Berni! Was soll das? Das könnte doch ins Auge gehen!? Was, wenn die Bande des Baumanns in der Abstimmung gewinnt? |
| Berni: |
Stefano, du bist wirklich nur ein Fischkopf und hast nur Ebbe und Flut im Kopf! – Denk doch mal an unsere Strategie!
Also, pass auf! Du machst jetzt folgendes: Du lässt dir einen Beschluß zur Einladung zwecks Abstimmung der Gläubigerversammlung von der „Frommen” schicken, den kopierst du dann und schickst den einfach ... na? – Richtig! Allen Gläubigern! |
| Stefano: (zustimmend) |
Wenn du Berni, mir das als abgestimmte Stategie so vorschlägst, werde ich das so tun. |
2. Akt
Der vielseitige Insolvenzverwalter
| Stefano: |
Hallo Berni, alles Roger! Ich habe einen vollständigen Vertragsentwurf zur Abstimmung erhalten! Den habe ich mit dem Antrag auf Einladung einer Versammlung der Gläubiger an die Gerichtslaube geschickt und – stell dir vor! – schon die Einladung zur Gläubigerversammlung für den 24.Juli von der Frommen geschickt bekommen! |
| Berni: |
Mensch, ist ja prima! Jetzt noch an das Finanzamt, die Bundesagentur für Arbeit und die Volksbank in Sachsen ebenfalls eine Einladung – wie auch an die Bande vom Baumann! |
| Zwei Wochen später: |
| Stefano: |
Du Berni, eben hat mich die Rechtsabteilung der Bank aus Sachsen angerufen und wollte wissen, was das für eine Einladung ist. Der habe ich gesagt, dass niemand von der Bank zu kommen braucht, denn an der Sache ist sowie so nix dran. War das richtig so? |
Berni: (erschrocken) |
Bist du meschugge? Wir brauchen doch deren Stimmrechte! Mit wem hast du dort gesprochen? Hast zu wenigstens seine Telefonnummer? Ich muss da sofort anrufen, damit die nicht noch einen fremden Anwalt beauftragen! – Sonst gerät doch unser Plan ins Wanken! |
| Stefano: |
Aber Berni! Du willst doch nicht auch noch gleichzeitig für die mit auftreten? Das kommt doch raus! – Das ... ist doch verboten, oder?
Dieser Baumann bringt doch bestimmt wieder eine ganze Bande von Anwälten mit! Du blamierst dich doch bis auf die Knochen, wenn das raus kommt! Und deine Zulassung riskierst du obendrein! |
| Berni: |
Papperlapapp, du Fischkopf! Erstens regele ich das vorab mit der Frommen und zweitens müssen jetzt Völki und Pocher ran und mir Rückendeckung geben. Schließlich geht es jetzt um die Wurst!
Wenn die Sparkasse erstmal Mode ist, weil die Anwaltsbande vom Baumann eigentlich ziemlich nahe dran ist, dann geht in der Grafschaft das Licht aus! – Der Baumann will doch weit über 200 Mio. € haben!
Gar nicht auszudenken! Und wenn ich dann noch an die seit 7 Jahren auflaufenden Zinsen denke! – Nee, mein Lieber, da ist mir jedes Mittel recht!
|
| Drei Tage später: |
| Berni: |
Hallo Stefano! Ich habe die Cheffin der Rechtsabteilung von der Bank in Sachsen an der Strippe gehabt! Sie geht mir voll auf dem Leim! Ich habe ihr verklickert, dass der Baumann alle Banken verklagen will.
Das macht der immer so, und damit bringt der alle Banken in Not, die jemals mit ihm zu tun hatten!
Und, du, Alter! Das Schärfste ist: Die haben das geschluckt! Wie findest du das? – Was? Vollmacht? – Klar, die kriege ich auch! Ich habe heute noch einen Brief mit einer
wunderhübschen Sachverhaltsschilderung geschickt. Und eine von uns vorbereitete Vollmacht gleich dazu! |
| Stefano: |
Aber, Berni! Denke dran, ... |
| Berni: |
Was willst du denn? Klar habe ich diesen Erbsenzähleranwalt aus dem Rheinland im Kopf! Der prüft doch erst wieder die Vollmacht und tut die dann noch bestreiten!
Die Sachsen wissen Bescheid, dass die Vollmacht nur von Mitgliedern des Vorstandes oder Prokuristen unterzeichnet werden darf! |
Stefano: zögernd |
Berni, wissen die Sachsen denn nicht, dass du der Hausanwalt vom Leihhaus bist? Haben die sich nicht gewundert, dass du als solcher dich selbst unmittelbar an sie gewandt hast?
Das ist doch rein vom Logischen her nicht zulässig! Ist denen klar, wenn du mit deren Stimmen gegen den Verkauf abstimmst, dass dann die Volksbank ihre Ansprüche verliert?
Haben die das einfach so hingenommen? |
| Berni: |
Stefano, nochmal: Ich habe einen Auftrag zu erfüllen, der nur eines als Ziel sieht – sämtliche Ansprüche gegen die Sparkasse – egal wie – abzuwehren. Frage nicht soviel und erledige deine Rolle wie mit allen abgesprochen! |
3. Akt
Ein paar Wochen nach der Gläubigerversammlung
| Stefano: |
Hallo Berni! Puh, war das aber Schwerstarbeit! Die Bande vom Baumann, die haben vielleicht gekocht! Deine Fromme
hat ihre Rolle glänzend beherrscht! Besonders als sie den Befangenheitsantrag abgeschmettert hat! Herrlich! Saubere Leistung!
Sag’ mal, Berni, glaubst du, dass die Kerle jetzt Ruhe geben? Ich habe so ein ungutes Gefühl... Ich werde so schnell wie möglich die Insolvenz schließen lassen,
damit Gras über die Sache wächst. Ich will raus aus der Sache! |
Berni: zustimmend |
Richtig Stefano, zieh diese Insolvenz durch! Die Akten bleiben derweil unter Verschluss, und dann halten wir erst mal die Füße still... Der Kampf ist ausgestanden! |
4. Akt
Helenes telefoniert mit Dr. Leimer, dem Chef der Gerichtslaube
| Helene: |
Hallo... Herr Leimer? – Ja, hier ist die die Helene. Ich habe da einen unangenehmen Journalisten am Telefon, und der lässt sich einfach nicht abwimmeln.
Könnten Sie den mal übernehmen? Er will was von der
Sache mit dem Sparkassenanwalt wissen und weist auf irgendsoein Standesrecht hin – faselt was von Doppelmandat – und von einer Bank aus Sachsen...
Ich weiß nicht was ich dem Mann sagen soll. übernehmen Sie mal? |
| Dr. Leimer: |
Keine Frage, mein Mädchen. Stell mir das Gespräch durch! Hast es schon richtig gemacht: Keine Auskünfte an niemanden! Und wenn wer sehr hartnäckig ist – einfach zu mir durchstellen,
denn schließlich bin ich doch der Pressesprecher der Gerichtslaube! |
Helene verbindet und legt auf. |
| Dr. Leimer: |
Ja, hier Leimer, Gerichtslaube. Mit wem spreche ich? |
| Binder: |
Hallo, Herr Dr. Leimer! Sie werden mich vielleicht kennen, mein Name ist Binder... |
| Dr. Leimer: |
Ach, ist nicht wahr, der Binder? Der vom Fernsehen? |
| Binder: |
Ja, genau der... |
| Dr. Leimer: |
Ja, was führt Sie denn zu mir? |
| Binder: |
Ich habe Wind bekommen. Da gibt es so eine Sache mit einem gewissen Baumann aus Ihrer Gegend... |
| Dr. Leimer: |
Ach, das meinen Sie? Mein lieber Herr Binder, Sie sollten doch wissen: über ein laufendes Verfahren kann ich mich mündlich nicht äußern.
Schicken sie mir eine übliche Presseanfrage, so mit Fragenkatalog, dann bekommen Sie eine schriftliche Antwort von mir. Das Gespräch ist damit für mich beendet. |
5. Akt
Anruf des Konkursverwesers beim Avocado
| Berni: |
Stefano, ich weiß nicht, was das Ganze soll! Der Leimer von der Gerichtslaube soll eine Presseanfrage von so einem Fernsehfuzzi beantworten. Und die hat es wirklich in sich! Habe aber mit dem Leimer eine Variante abgesprochen, die so deutlich in ihrer Aussage ist,
dass dem Journalisten nichts mehr fehlt! Peinlich würde es jedoch nur, wenn der Journalist wieder Rückfrage mit Sachsen hält, und wenn die tatsächlich das sagen, was ich befürchte... Das würde dann eng für uns alle! Aber du kannst beruhigt sein, lieber Stefano,
man kann uns nicht fallen lassen, weil zu viele Richter und Rechtspfleger mitgespielt haben, welche dann alle das gleiche Schicksal erleiden würden. Schließlich muß doch die ganze Grafschaft zusammen halten, oder? |
Wie im klassischen Drama
An der Stelle stehen wir jetzt.
Peripetie (Glücksumschwung) - in der Tragödie führt es zum Untergang - in der Komödie zum Gelächter
Entweder – oder. Beide Richtungen stehen offen:
In der ersten fliegen alle Verantwortlichen aus dem Amt – in der zweiten auch, aber mit Gelächter.
Denn – der Journalist hatte sich nicht täuschen lassen und war der Sache restlos auf den Grund gegangen...
|
|
|
|
|
|
|
| |
Diese Seite wurde seit dem 14. April 2008 184 Mal aufgerufen.
|
|
|
|
|